5. Vogtland - Mineralienbörse in Oelsnitz vom 14.10.2007
- Nachlese -
Bericht : Freie Presse vom 15.10.2007 von Eckhard Sommer
Fasziniert von glitzernden Steinen
Jubiläumsschau in Oelsnitzer Vogtlandsporthalle lockt 1200 Besucher - Stammsammler kommen von weit her
Oelsnitz. Die Vogtländer sind
steinreich - das war gestern in der
Oelsnitzer Vogtlandsporthalle un-
übersehbar. Rund 1200 Besucher
schauten sich bei der fünften Aufla-
ge der Vogtland-Mineralienbörse
um. Die meisten von ihnen Samm-
ler, die bei einem der 52 Händler aus
Sachsen, Bayern und Thüringen ein
neues Stück ergattern konnten, ein
Großteil kam nur aus Interesse und
Spaß an den glitzernden Steinen, an
bizarren Formen und an schlichter
Schönheit. Von Aegirin aus Malawi
über Pyromorphit aus China bis hin
zu Zircon aus der Göltzsch reichte
die Vielfalt an mineralogischen
Kostbarkeiten und steinernen Be-
sonderheiten.
Steffen Pestel aus Bösenbrunn,
der zusammen mit Jörg Kasiske aus
Triebel und Thomas Müller aus
dem oberfränkischen Marktleuthen
wie schon die bisherigen Veranstal-
tungen auch die Jubiläumsbörse auf
die Beine gestellt hatte, war mit der
Resonanz auf die Ausstellungs- und
Verkaufsschau sehr zufrieden:
„In ganz Deutschland haben wir schon
richtige Stammsammler, die extra
wegen dieser Börse nach Oelsnitz
kommen. Das ist unser Beitrag zum
Stadtjubiläum. Großen Zuspruch
fanden diesmal auch unsere Sonder-
schauen, einmal zum Altbergbau
um Oelsnitz und die andere zum
Bergbaugebiet Schneckenstein/Got-
tesberg. Was dort an Mineralien
und historischen Dokumenten ge-
zeigt wird, haben uns Sammler als
Leihgabe zur Verfügung gestellt."
Ganz besonderes Glück hatten
Martina Lenk aus Reuth, Frieder
Spitzner aus Auerbach und Kathrin
Bauer aus Flauen. Sie gewannen bei
einer Tombola einen Bergkristall
aus China, eine Lampe aus Oran-
gen-Calzit beziehungsweise einen
Achat aus Brasilien. Vielleicht be-
ginnt bei ihnen damit die Liebe
zum Mineral.


Stimmen:
Anne-Rose Schröder, Getthof/Kiel:
Ich komme jedes Jahr zu dieser Börse, weil das Angebot sehr groß und vielfältig ist.
Hier, heute habe ich zum Beispiel einen
Calzedon auf Goethit bekommen. Der
stammt aus Geilsdorf und wurde erst neu-
lich gefunden. Zum Sammeln von Minera-
lien bin ich gekommen, weil ich eigentlich
Hobbybotanikerin bin. Die Pflanzen brau-
chen für ihr Wachstum bestimmte Minera-
lien und wenn man will, dass sie gut
wachsen, muss man herausfinden, welche
das sind.
Frank Haueis, Saalig:
Ich sammle seit ungefähr zehn Jahren Mineralien und habe schon viele von verschiedenen Fundorten im Vogtland.
Bei der Börse hier in Oelsnitz
ist das Angebot immer sehr groß. Deshalb
hoffe ich, dass ich heute auch wieder fün-
dig werde.
Waleri Pankow, Olbernhau:
Ich biete vor allem Bleiglanz und Zinkblende aus meiner Heimat an. Der Fundort liegt im Gebiet
Madan, in den Rhodopen. Mineralien von
dort haben eine besondere Ästhetik und
sind sehr gefragt.
Rolf Wagner, Ebermannsdorf:
Diese Börse ist noch klein im Vergleich mit anderen, fast familiär. Kitsch und Esoterik bleiben
draußen, das ist auch gut. Und ich komme
auch deswegen immer wieder her, weil
hier vor allem Mineralien aus der Region
angeboten werden.
Ulrich Eckner, Tobertitz:
Mineraliensammeln ist mein Hobby. Ich versuche etwas zu bekommen, was in Form und in Farbe schön aussieht.
Darauf kommt es mir an.
Und es darf nicht zu teuer sein.
Sebastian Schrögel, Adorf:
Die Börse ist sehr informativ. An den Mineralien finde ich faszinierend, wie sie in der Natur ent-
standen sind.
Frank Saga, Flauen:
Ich bin Händler und ganz zufrieden, weil so viele Interessenten da sind. Aber das ist ja hier in jedem Jahr so.
Dieter Kesselboth, Tirpersdorf:
Eigentlich sammle ich Briefmarken, aber diese Aus-
stellung ist trotzdem sehr interessant für
mich.
Bericht : Vogtlandanzeiger vom 15.10.2007
Neugier auf seltene Funde
Vogtland-Mineralienbörse | Gesteine aus Oelsnitzer Altbergbau präsentiert
Oelsnitz - Ungebrochen groß
war am Sonntag der Andrang
zur Vogtland-Mineralienbörse
in der Oelsnitzer Vogtland-
Sporthalle. Zum kleinen Jubilä-
um - die Schau öffnete zum
fünften Mal - hatte die Interes-
sengemeinschaft aus den bei-
den Vogtländern Steffen Pestel
und Jörg Kasiske sowie dem
Oberfranken Thomas Müller 52
Händler und Aussteller aufge-
boten. Schon kurz nach der
Öffnung um 9 Uhr drängten
sich Massen von Sammlern
und Besuchern an den Stän-
den.
Bei der traditionellen Sonder-
ausstellung auf der Bühne ging
es diesmal um den Bergbau
rings um Oelsnitz. Damit zoll-
ten die Organisatoren dem 650.
Stadtjubiläum Tribut. Als Ken-
ner des Altbergbaus um die gro-
ße Kreisstadt gilt Frank Forkel
aus Dröda. Seit 30 Jahren ist
der gelernte Klempner auf ehe-
maligen Schachtgebieten bei
Lauterbach, Schönbrunn,
Zausidorf, Geilsdorf und
Schwandt unterwegs.
Aufsehen
erregende Funde glückten ihm
im Frühjahr mit Hilfe des Pfaf-
fengrüners Harald Lochau bei
Bösenbrunn. Wo genau verrät
er nicht.
Davon zeugte die erste Vitri-
ne mit herrlichen Kristallisatio-
nen von Quarz. Erstmals fand
er bei Bösenbrunn Rauchquarz.
„Eine Traumstufe, das gab's
noch nie", kommentierte Stef-
fen Pestel anerkennend das
Ausstellungsstück.
Fast immer werden die
Sammler oberflächennah fün-
dig, erzählte Frank Forkel an
seinem Stand. Die Mundlöcher
der Schächte sind heute mit
Stahlgittertüren verschlossen.
Für den Oelsnitzer Altbergbau
vergangener Jahrhunderte sei-
en geringe Tiefen und Tagebau
typisch, berichtete er. Ursache
dafür waren die ständigen Was-
sereinbrüche, die bei dem be-
scheidenen Stand der Technik
kaum zu beherrschen waren.
Manch ein Bergmann ertrank.
Der Bergbaulehrpfad um Oels-
nitz hält dafür anschauliche
Beispiele bereit.



Handarbeit mit Hacke, Spa-
ten und Schürhaken ist auch
heute angesagt, damit die be-
gehrten Kristallspitzen nicht
abbrechen. Das, was die Berg-
leute einst in Nebengängen lie-
genließen, weil sich der Abbau
nicht lohnte, beschert Forkel
und Co. heute die schönsten
Schätze.
Sehr verdienstvoll hatten die
Ausstellungsmacher die Spalten
mit ihren Mineraliengängen
um Oelsnitz in einer Karte dar-
gestellt und die historischen
Gruben aufgelistet. Die groß-
formatigen Fotos von Jörg Ka-
siske belegten, wie mühselig es
ist, manuell aus einer fündigen
Druse die lehmverschmierten
Mineralplatten unbeschädigt,
zu bergen.
Das zweite Thema der Son-
derausstellung widmete sich
dem Bergbau am Schnecken-
stein, in Gottesberg und in der
Schwerspatgrube Brunndöbra.
Einzigartige historische Fotodo-
kumente aus den fünfziger Jah-
ren fesselten die Besucher. Wer
hat den Schneckenstein schon
mal ohne Hochwald gesehen,
mit einem Förderturm am Fel-
sen? „Die ham drumherum ge-
meiselt wie die Kaputten",
meinte ein älterer, sachkundi-
ger Betrachter. „Gemeiselt" hat
die Wismut nach Uran.
Weit gefächert war das Ange-
bot bei den Ständen in der Hal-
le. Mit wenig Schmuck, dafür
vielen naturbelassenen Stücken
präsentierte sich die Schau als
interessante Sammlermesse.
.Neben vielen bekannten Ge-
sichtern war Waleri Pankbw aus
Olbernhau erstmals mit einer
Steinen aus Bulgarien dabei.
Stammgast seit der ersten Börse
ist Tomas Adamec aus Prag. Er
bot unter anderem originelle
Grubenlampen an.
Eines der prächtigsten Einzel-
stücke hatte der Adorfer Samm-
ler Lothar Roth mitgebracht.
Die Quarzstufe aus Bad Bram-
bach wog an die 20 Kilo und
bestach mit seltenen Zepter-
quarzkristallen in hoher Quali-
tät. Die Stufe rief Begehrlich-
keit hervor. Dass sie trotzdem
nicht gleich verkauft wurde, lag
am Preis - um die 700 Euro.
Das ist aber für so ein Stück am
unteren Limit. Roth hatte das
schöne Mineral vor sieben Jah-
ren beim Bau der Brambacher
Umgehungsstraße gefunden,
eine Quelle, die versiegt ist. Der
Adorfer sammelt inzwischen
lieber Pilze. R.W.