6. Vogtland - Mineralienbörse in Oelsnitz vom 12.10.2008
- Nachlese -
Bericht : Vogtlandanzeiger 13.10.2008 von Renate Wöllner
Schätze der Erde
Mineralienbörse | Sammler kaufen Steine
Oelsnitz - Die Szenerie erinner-
te an DDR-Zeiten, wenn es Ba-
nanen gab. Vor Öffnung der 6.
Vogtland-Mineralienbörse am
Sonntag bildete sich eine
Schlange vor dem Eingang. Die
Leute wissen es inzwischen: Die
besten Stücke gehen gleich
früh über den Tisch. So man-
cher Sammler verlässt die Oels-
nitzer Vogtland-Sporthalle mit
vollem Einkaufsbeutel und lee-
rem Portemonnaie, denn die
Gelegenheit ist einzigartig, in
so großer Auswahl jüngste Fun-
de zu erwerben.
„Wir haben wieder eine Rie-
sen-Resonanz", freute sich Stef-
fen Pestel vom Team der IG Mi-
neralienbörse. Schon eine Stun-
de nach Beginn zählte der Ein-
lass 400 Besucher. Rund 50
Aussteller aus ganz Deutsch-
land und einer aus Prag boten
ihre Schätze an.
Große Aufmerksamkeit fand
die Sonderausstellung auf der
Hallenbühne, die jedes Jahr un-
ter einem anderen Thema steht
- im Mittelpunkt diesmal
Quarzfunde aus dem Vogtland
und dem Fichtelgebirge. Stän-
dig umlagert war die Fotowand.
Jürgen Fortak, Jörg Kasiske und
Steffen Pestel dokumentierten
ihren aufsehenerregenden
Fund an Rauchquarzkristallen
von einem Feld bei Röthen-
bach. Die Gegend galt lange als
geringfündig. Doch nach stun-
denlangem Ablaufen sah Fortak
Anfang des Jahres einen Rauch-
quarzkristall aus dem Ackerbo-
den ragen, der sich als 27 Zen-
timeter lang erwies.
Weiter aufgeschlossen wurde
die Stelle dann Ende Februar
im Verein mit Kasiske und Pes-
tel. Mit Hilfe von Spezialwerk-
zeug kamen im Pegmatit ein
großer Quarz-Doppelender und
ein stattlicher Kristall im Tessi-
ner Habitus zum Vorschein.
Ein weiterer Schurf gipfelte im ultimativen Kick-aus der sich nach allen Richtungen verzweigenden Druse bargen Pestel und Kasiske unter einer großen Anzahl einen Kristall von 35 Zentimeter Länge sowie einen Doppelender mit eingewachsenem weiteren Doppelender in der Spitze. Diese und weitere tolle Stücke von
Pechtelsgrün bis Bad Brambach
und dem Fichtelgebirge konn-
ten in den Vitrinen bewundert
werden. Kasiske wies auf die
große Vielfalt der Quarzkristalle
hin. Das Spektrum umfasst alle
Farben, von transparent, mil-
chig bis opak. Die Sammler
Thomas Kunze, Maik Eckardt,
Mathias Raböse und Marcus
Müller stellten Neufunde von
Quarz und Goethit aus Mela-
phyr bei Stenn aus.
Harald Lochau aus Pfaffen-
grün gehörte zu den Anbietern
in der Halle und zu den Unter-
stützern der Börse. Seit 35 Jah-
ren sammelt der Steinmetz Mi-
neralien. Dafür gehe er ständig
auf Erkundung, erzählte der
56-Jährige. Unter anderem
neue Malachit-Funde aus Thier-
garten bei Plauen hatte er dies-
mal dabei. Der Traum jedes
Sammlers sei, einmal ein neues
Mineral zu entdecken. Das ge-
lang Lochau mit Brookit bei
Krebes, einem Titanoxid, und
mit Y-Churchit (Weinschenkit),
einem Phosphat, das er bei den
Erschließungsarbeiten im Ge-
werbegebiet von Neuensalz
fand. Beide Mineralien waren
bis dato im Vogtland nicht be-
kannt.
Immer wenn eine Börse zu-
ende geht, beginnt schon die
Vorbereitung auf die nächste.
Die heiße Phase für die sechste
startete vor rund drei Wochen,
erzählt Pestel. Die Vogtlandhal-
le biete sehr gute Voraussetzun-
gen, doch Tische und Vitrinen
müssen „zusammengefahren"
und teils aus Oberfranken ge-
holt, werden. „Eine Riesenar-
beit", schätzt der Mineralienex-
perte ein. Thema bei vielen Be-
suchern war auch die Minera-
lienschau auf Schloss Voigts-
berg, die im Anschluss zum Be-
such lockte. Renate Wöllner
Bericht : Freie Presse vom 13.10.2008 von Eckhard Sommer
Sammler aus ganz Deutschland auf der Oelsnitzer Mineralienbörse
Rund 900 Besucher drängen sich in der Vogtlandsporthalle-Zusätzliche Sonderausstellung zu Rauchquarzen
VON ECKHARD SOMMER ___
Oelsnitz. Die Vogtländer sind
steinreich und lassen ganz Deutsch-
land daran teilhaben. Das ist gestern
in der Vogtlandsporthalle bei der
6. Mineralienbörse zu erleben gewe-
sen. Insgesamt rund 900 Sammler
und Besucher schauten sich bei den
50 Händlern um, stöberten auf den
Tischen nach Raritäten und beson-
ders ausgefallenen, schönen Stü-
cken, ließen sich beraten und fach-
simpelten.
Steffen Pestel aus Klingenthai, ei-
ner der Organisatoren und selbst
seit Kindesbeinen ein Mineralien-
„Verrückter", war überwältigt: „An-
derthalb Stunden nach Öffnung wa-
ren schon 500 Leute hier und der
Andrang reißt nicht ab. Wir könn-
ten zwei solche Hallen füllen. In
ganz Deutschland haben wir schon
richtige Stammsammler, die extra
wegen dieser Börse nach Oelsnitz
kommen. Wir haben uns einen Na-
men auch mit den neuen Funden
gemacht. Schmuck oder Kitsch gibt
es hier nicht." Dass die Oelsnitzer
Mineralienbörse denen in Erfurt
oder Dresden in kaum etwas nach-
steht, liegt vor allem an der Vielfalt
der gezeigten Mineralien und an
selten ausgestellten Stücken. Zum
Beispiel solche aus Namibia.
Der Andrang in diesem Jahr lag
nicht zuletzt an einer Sonderaus-
stellung zu Rauchquarzen aus der
Region, die in Sammlerkreisen als
die an Mineralien reichste in ganz
Deutschland gilt. Ein absoluter
Blickfang, der das Herz jedes
Mineralogen höher schlagen lässt, waren nicht nur Bergenit, Turmalin, Aquamarin, Symplacit oder Variscit, sondern auch das erst kürzlich bei Röthenbach gefundene Prachtexemplar von einem Rauchquarz. Jürgen
Fortak (Flauen), Gottfried Seifert
(Reichenbach), Steffen Pestel und
Jörg Kasiske (Obertriebel) förderten
Vom Ersparten hat sich Lux Bauriedl aus Adorf gestern auf der Mineralienbörse diesen Bergkristall für 70 Euro ge-
kauft. Es war sein Wunsch, so seine Mutter Doris. -Foto: HARALD SULSKI
es von einem frisch umgepflügten
Feld zu Tage: 38 Zentimeter lang
und zehneinhalb Kilogramm
schwer, dazu in einem völlig unbe-
schädigten Zustand.
Kasiske, der nur im Vogtland
sammelt, urteilt: „So etwas findet
man in unserer Region nicht alle
Tage, das ist fast wie ein Sechser im
Lotto und man braucht schon
Glück dazu. Nur 1901 wurde ein größeres Exemplar gefunden, das war 50 Zentimeter lang. Wenn un-
seren Fund jemand aus Brasilien se-
hen würde, wäre das für ihn nicht
spektakulär, denn die Rauchquarze
dort sind durchscheinend. Unser ist
innen dunkel und hat Edelsteinqua-
lität. Und in der Druse, so nennt
man den Einschluss der Mineralien,
waren noch rund 1000 andere Quar-
ze. Alle kann man sich nicht aufhe-
ben, das ist irgendwann eine Platz-
frage. Aber andere Sammler freuen
sich ja auch darüber." Und die „nor-
malen" Besucher auch, wie gestern
zu erleben war.